Geschichte des Überseequartiers Hamburg
Das heutige Überseequartier Hamburg sieht auf den ersten Blick nach einem komplett neu geplanten Stadtviertel aus – und das ist es zum großen Teil auch. Trotzdem reicht die Überseequartier Geschichte viel weiter zurück. Bevor hier moderne Bürohäuser, Hotels, Restaurants, Geschäfte und der Westfield Hamburg-Überseequartier entstanden, war dieser Bereich ein wichtiger Teil des Hamburger Hafens.
Wenn du heute durch das Quartier läufst, bewegst du dich deshalb auf einem Gelände, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert hat: vom Hafen- und Umschlagplatz über eine lange Zeit ungenutzte beziehungsweise gewerblich geprägte Fläche bis hin zu einem dicht bebauten Teil der HafenCity.


Vom Grasbrook zum modernen Hafen
Die Überseequartier Geschichte geht weit zurück. Das Gebiet des heutigen Überseequartiers liegt auf dem historischen Grasbrook. Die ursprünglich tief liegenden Flächen vor der damaligen Stadt wurden im Zuge der Hafenerweiterung schrittweise für die Nutzung als Hafen- und Gewerbeflächen umgebaut und aufgeschüttet.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Bereich zu einem wichtigen Teil des Hamburger Hafens. Nach dem Sandtorhafen, der zwischen 1863 und 1866 entstand, wurden weitere Hafenbecken angelegt. Dazu gehörten unter anderem der Grasbrookhafen und der Magdeburger Hafen, der ab 1872 entstand. Die neuen Hafenanlagen ermöglichten einen wesentlich effizienteren Güterumschlag direkt an den Kaimauern.
Die Lage zwischen Innenstadt und Elbe war dabei von großer Bedeutung. Schiffe konnten näher an die Stadt heranfahren, Waren wurden direkt am Kai auf Schiffe, Eisenbahn oder Straße umgeschlagen. Gleichzeitig entstanden Speicher, Schuppen und weitere Hafenanlagen. Noch heute erinnern die erhaltenen Hafenbecken, Krane und Kaimauern an die vergangene Überseequartier Geschichte. Wenn du heute am Magdeburger Hafen oder entlang des Chicagokais unterwegs bist, siehst du deshalb nicht nur moderne Architektur, sondern auch einen Teil der historischen Hafenstruktur Hamburgs.

Entwicklung zu einem wichtigen Teil des Hamburger Hafens
Mit dem Ausbau des Hafens veränderte sich das gesamte Gebiet rund um die heutige HafenCity. Der Grasbrook entwickelte sich von einem früheren Vorland zu einem intensiv genutzten Hafen- und Gewerbestandort. Auch der Handel mit Waren aus Übersee spielte eine wichtige Rolle. Hamburg war ein bedeutender Hafen für den internationalen Warenverkehr, und der Bereich der heutigen HafenCity lag unmittelbar an dieser Schnittstelle zwischen Stadt, Hafen und Elbe.
Einige historische Gebäude aus dieser Zeit sind bis heute erhalten. Dazu gehört beispielsweise das Alte Hafenamt im Überseequartier. Auch der Kaispeicher B am Magdeburger Hafen erinnert an die frühere Nutzung des Gebietes und beherbergt heute das Internationale Maritime Museum. Damit wird ein wichtiger Unterschied zur heutigen Bebauung deutlich: Das Überseequartier wurde nicht auf einer völlig ungenutzten Fläche errichtet. Es entstand auf einem Gelände, das zuvor über viele Jahrzehnte durch die Hafenwirtschaft geprägt war.

Vom Hafenrand zur HafenCity
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich der Hamburger Hafen grundlegend und die Geschichte des Überseequartiers geht weiter. Vor allem der zunehmende Containerumschlag führte dazu, dass viele ältere innerstädtische Hafenflächen ihre ursprüngliche Funktion verloren. Der moderne Hafen verlagerte sich zunehmend in andere Bereiche Hamburgs. Damit entstand eine völlig neue Möglichkeit: Die alten innerstädtischen Hafenflächen konnten langfristig wieder stärker mit der Stadt verbunden werden.
In den 1990er-Jahren entwickelte Hamburg deshalb konkrete Pläne für eine umfassende Umwandlung der Hafenflächen. 1997 wurden die Pläne für die HafenCity öffentlich vorgestellt. Ziel war es, die Hamburger Innenstadt auf den ehemaligen Hafenflächen in Richtung Elbe zu erweitern. Aus dem städtischen Ideenwettbewerb für die HafenCity ging 1999 das Konzept des Teams um Kees Christiaanse und ASTOC als Sieger hervor. Am 29. Februar 2000 beschloss der Hamburger Senat den Masterplan. Er bildete die Grundlage für die Entwicklung der neuen Stadtquartiere. Das Überseequartier war dabei von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Planung.

Das Überseequartier als neues Zentrum der HafenCity
Im Masterplan wurde der Bereich rund um den Magdeburger Hafen als ein zentraler Bereich der neuen HafenCity vorgesehen. Das Überseequartier sollte dabei eine besondere Funktion übernehmen. Geplant war kein reines Wohn- oder Büroviertel, sondern ein gemischt genutztes, möglichst urbanes Quartier. Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und öffentliche Räume sollten miteinander verbunden werden.
Diese Idee ist bis heute gut erkennbar. Der Überseeboulevard verbindet verschiedene Teile des Quartiers, während Straßen und Plätze zum Magdeburger Hafen und zur Elbe führen. Gleichzeitig liegt das Quartier unmittelbar zwischen der historischen Speicherstadt und den neueren Bereichen der HafenCity. Auch die Verbindung zur bestehenden Innenstadt war von Anfang an wichtig. Der Masterplan sah die HafenCity ausdrücklich als Erweiterung der Hamburger Innenstadt vor. Der Magdeburger Hafen sollte dabei eine zentrale Rolle als großstädtischer Wasserraum übernehmen und so die Überseequartier Geschichte forttragen.

Die konkreten Planungen beginnen
Für das Überseequartier wurden 2003 städtebauliche Leitlinien beschlossen. Im selben Jahr begann ein internationaler Investorenwettbewerb für die konkrete Entwicklung des Quartiers. 2005 erhielt schließlich ein deutsch-niederländisches Konsortium den Zuschlag für die Entwicklung. Das geplante Quartier sollte aus zahlreichen einzelnen Gebäuden bestehen, die von unterschiedlichen Architekten entworfen werden sollten. Dadurch sollte keine einheitliche Großbebauung entstehen, sondern ein abwechslungsreicher Stadtraum mit unterschiedlichen Häusern und Nutzungen. Diese Idee prägt das heutige Erscheinungsbild noch immer. Das Überseequartier besteht nicht aus einem einzigen großen Gebäudekomplex, sondern aus vielen einzelnen Baukörpern mit unterschiedlichen Fassaden, Höhen und architektonischen Konzepten.
Die besonderen Straßennamen im Überseequartier
Während der Planung wurden bereits auch schon die Namen der Straßenzüge festgelegt. Wenn du im Überseequartier unterwegs bist, werden dir die Namen bekannter Städte schon bald auffallen. Die Straßen im Quartier tragen nämlich alle Namen wichtiger internationaler Hafen- und Handelsstädte. Wie zum Beispiel die Tokiostraße, der Miamiplatz oder die Singapurstraße. Schau hier, für alles über die Straßen im Überseequartier.
Der Nordteil entsteht
Mit der Umsetzung begann zunächst der nördliche Teil des Überseequartiers. Die Grundsteinlegung erfolgte 2007, das Richtfest wurde 2009 gefeiert. Ab 2010 zogen die ersten Bewohner ein. Gleichzeitig eröffneten Geschäfte, Restaurants und weitere Einrichtungen entlang des neuen Überseeboulevards. Im Oktober 2010 wurde das nördliche Überseequartier offiziell eröffnet.
Zu diesem Teil gehören unter anderem die Gebäude Sumatra, Pacamara, Arabica, Java und Ceylon sowie das Alte Hafenamt – obwohl das alte Hafenamt natürlich schon vorher stand und sozusagen die Zeit überlebt hat. Auch der markante Cinnamon Tower wurde zu einem prägenden Bestandteil des nördlichen Überseequartiers. Damit entstand der “alte” Norteil bereits mehr als 15 Jahren vor Eröffnung des südlichen Teils. Wenn du dich heute durch den nördlichen Bereich rund um den Überseeboulevard bewegst, läufst du also durch einen deutlich älteren Abschnitt als im Süden. Das fällt aber so gar nicht direkt auf – zumindest architektonisch.

Warum der Südteil so viel länger dauerte
Ursprünglich sollte das gesamte Überseequartier wesentlich schneller entstehen. Die Entwicklung des südlichen Bereichs verzögerte sich jedoch erheblich. Das lag unter anderem an Veränderungen innerhalb des ursprünglichen Investorenkonsortiums und an der notwendigen Neuordnung der Entwicklung. Für den Südteil wurde schließlich ein neuer Investor gefunden. Senat und Bürgerschaft stimmten der neuen Lösung Ende 2014 beziehungsweise Anfang 2015 zu.
Auch das Nutzungskonzept wurde im Laufe der Zeit verändert und erweitert. Aus einem ursprünglich geplanten klassischen Stadtquartier mit Einzelhandel, Büros und weiteren Nutzungen entwickelte sich zunehmend ein großes Ensemble aus Shopping, Gastronomie, Freizeit, Kultur, Entertainment, Hotels und Kreuzfahrtterminal. Damit nahm der Südteil schließlich eine deutlich andere Dimension an als der bereits fertiggestellte Nordteil.

Westfield verändert das Überseequartier
Der entscheidende Schritt für den heutigen Südteil war die Entwicklung des Westfield Hamburg-Überseequartiers – mit eines der bekanntesten Ereignisse der Überseequartier Geschichte. Der südliche Bereich wurde zu einem groß angelegten gemischt genutzten Ensemble weiterentwickelt. Neben Geschäften entstanden Restaurants, Hotels, Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen, Büros und weitere öffentliche Bereiche. Am 8. April 2025 wurde das Westfield Hamburg-Überseequartier schließlich eröffnet. Damit ging ein Projekt in Betrieb, dessen Planungsgeschichte sich über viele Jahre erstreckte.
Für dich als Besucher ist diese Entwicklung heute trotzdem zu sehen: Während der Nordteil rund um den Überseeboulevard eher aus einzelnen Häusern und kleineren öffentlichen Räumen besteht, wirkt der Südteil wesentlich größer und stärker auf Besucher, Shopping und Entertainment aus. Wichtig ist dabei: Westfield und Überseequartier sind nicht dasselbe. Westfield ist ein wesentlicher Bestandteil des südlichen Überseequartiers, während das Überseequartier als Stadtviertel deutlich größer ist und auch den nördlichen Bereich mit seinen Straßen, Gebäuden und dem Überseeboulevard umfasst.

Das Überseequartier ist erst seit 2025 vollständig
Mit der Fertigstellung des südlichen Teils im Jahr 2025 schließt sich gewissermaßen eine Entwicklung, die Jahrzehnte zuvor begonnen hatte. Die HafenCity Hamburg GmbH bezeichnet den Nordteil als bereits 2010 vollendet; der Südteil wurde 2025 fertiggestellt. Zusammen bilden beide Bereiche heute das Überseequartier zwischen Speicherstadt und Elbe. Damit hat sich das Bild des Quartiers innerhalb von rund 20 Jahren mehrfach verändert. Aus einer großen Entwicklungsfläche wurde zunächst ein neues Wohn-, Büro- und Geschäftsviertel im Norden. Anschließend kam der wesentlich größere und stärker touristisch ausgerichtete Südteil hinzu.

Vom Hafen zur neuen Stadt
Wenn du heute durch das Überseequartier gehst, lässt sich diese Entwicklung an vielen Stellen nachvollziehen. Die alten Hafenbecken sind geblieben. Der Magdeburger Hafen und die Elbe bestimmen weiterhin die Lage des Quartiers. Historische Gebäude wie das Alte Hafenamt erinnern an die frühere Nutzung. Gleichzeitig stehen daneben moderne Gebäude wie das Sumatrakontorhaus, der Cinnamon Tower oder die Bauten des südlichen Überseequartiers.
Genau dieser Gegensatz macht die Geschichte des Viertels interessant: Das Überseequartier ist kein historisch gewachsenes Viertel wie die Speicherstadt. Es ist vielmehr ein bewusst neu geplantes Stadtgebiet, das auf einem historisch bedeutenden Hafengelände entstanden ist. Die Geschichte des Überseequartiers ist deshalb auch ein gutes Beispiel für den grundlegenden Wandel Hamburgs: Der Hafen hat sich von den innerstädtischen Kaianlagen in Richtung moderner Hafenstandorte verlagert, während die alten Flächen wieder Teil des urbanen Lebens geworden sind.
Die wichtigsten Stationen auf einen Blick
| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 19. Jahrhundert | Ausbau des Hafengebiets auf dem Grasbrook |
| 1872 | Entstehung des Magdeburger Hafens |
| 1997 | Vorstellung der Pläne für die HafenCity |
| 1999 | Internationaler städtebaulicher Wettbewerb |
| 2000 | Beschluss des Masterplans HafenCity |
| 2003 | Städtebauliche Leitlinien für das Überseequartier |
| 2005 | Zuschlag für die Entwicklung des Überseequartiers |
| 2007 | Grundsteinlegung für den Nordteil |
| 2010 | Eröffnung des nördlichen Überseequartiers |
| 2014/15 | Neuordnung der Entwicklung des südlichen Bereichs |
| 2025 | Fertigstellung des Südteils und Eröffnung des Westfield Hamburg-Überseequartiers |
Mein Eindruck zur Überseequartier Geschichte
Die Geschichte des Überseequartiers wird erst richtig verständlich, wenn du nicht nur auf die neuen Gebäude schaust. Zwischen Speicherstadt, Magdeburger Hafen und Elbe treffen heute mehrere Entwicklungsphasen Hamburgs direkt aufeinander. Gerade deshalb lohnt es sich, beim Rundgang nicht nur nach den neuesten Gebäuden zu schauen. Ein Blick auf die Hafenbecken, die historischen Gebäude und die alten Kaimauern zeigt, dass unter dem heutigen modernen Stadtviertel weiterhin viel von Hamburgs Hafengeschichte steckt.
Mein Tipp für deinen Besuch
Wenn du die Entwicklung des Überseequartiers besonders gut nachvollziehen möchtest, würde ich den Rundgang nicht direkt im Westfield beginnen. Starte stattdessen im Norden am Überseeboulevard, gehe anschließend Richtung Magdeburger Hafen und weiter durch den südlichen Teil bis zur Elbe. So erlebst du die Entwicklung des Quartiers praktisch von Nord nach Süd – vom älteren Überseequartier aus der Zeit um 2010 bis zum erst 2025 fertiggestellten Südteil.

