Architektur im Überseequartier Hamburg
Im Überseequartier fällt die Architektur vor allem durch das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Gebäude auf. Zwischen Speicherstadt und Elbe stehen Wohn- und Bürohäuser, Hotels, Gastronomie und öffentliche Wege dicht beieinander. Wenn du das Quartier zu Fuß erkundest, kannst du besonders gut vergleichen, wie sich der nördliche und südliche Bereich in Gestaltung und Nutzung unterscheiden. Außerdem waren mehrere verschiedene Architekturbüros beim Bau und der Planung des Quartiers beteiligt, die so alle ihren eigenen Stil und Ideen miteinbrachten. Damit herrscht auch eine gewisse Vielfalt, wenn doch der übergeorndete Stil derselbe ist.

Zwei Bereiche mit unterschiedlicher Architektur
Die Geschichte des Überseequartiers ist besonders. Das Quartier entstand nämlich in zwei unterschiedlichen Bauphasen und die beiden Teile, das nördliche und das südliche Überseequartier wurden zu Unterschiedlichen Zeitpunkten unabhängig voneinander gebaut. Das nördliche Überseequartier wurde deutlich früher entwickelt und war bereits 2010 fertiggestellt. Der südliche Teil folgte später und wurde 2025 mit dem Westfield Hamburg-Überseequartier eröffnet. Beide Bereiche gehören zum selben Stadtquartier, unterscheiden sich aber in ihrer Entstehung und in der Art, wie Gebäude, Wege und Nutzungen angeordnet sind.
Im Norden verteilen sich Wohnungen, Büros und einzelne Geschäfte rund um den Überseeboulevard. Im Süden prägen größere Gebäudekomplexe mit Handel, Gastronomie, und Freizeitangeboten den Stadtraum. Das Westfield bildet den Einkaufs- und Freizeitkomplex im Süden.

Welche Architekturbüros waren beteiligt?
Die Planung entstand in mehreren Schritten. Das ursprüngliche städtebauliche Konzept für das Überseequartier geht auf Trojan Trojan + Partner aus Darmstadt zurück; die öffentlichen Freiräume wurden nach dem Konzept von Beth Galí und BB+GG arquitectes aus Barcelona gestaltet. Für das südliche Überseequartier übernahm HPP International die Masterplanung und führte die Entwürfe verschiedener Büros zusammen. Dazu gehörten unter anderem Böge Lindner K2, Carsten Roth Architekt, Christian de Portzamparc, léonwohlhage, kbnk, Hild und K, Lederer Ragnarsdóttir Oei sowie UNStudio. Werner Sobek beziehungsweise Sobek Design entwarf die markante Glasdachkonstruktion im Süden des Überseequartiers. Die einzelnen Gebäude wurden also von unterschiedlichen Teams gestaltet und im städtebaulichen Gesamtkonzept aufeinander abgestimmt.

Was den architektonischen Stil des Überseequartiers ausmacht
Ein einheitlicher Baustil lässt sich im Überseequartier kaum auf ein einzelnes Merkmal reduzieren. Charakteristisch ist vielmehr die Verbindung aus städtischer Dichte, gemischten Nutzungen und unterschiedlich gestalteten Einzelgebäuden. Im südlichen Teil setzen rote Backsteinflächen im Inneren des Quartiers einen Kontrast zu helleren Fassaden an der Elbe. Andere Häuser arbeiten mit geneigten Fassaden, hervortretenden Gebäudeecken oder großen Glasflächen. An der Gestaltung lässt sich außerdem der Bezug zur HafenCity ablesen: Die Materialfarben greifen stellenweise die Backsteinarchitektur der Speicherstadt auf, während Glas und Metall den Neubauten ein zeitgenössisches Erscheinungsbild geben. Plätze, Durchgänge und der Überseeboulevard verbinden die Gebäude zu einem zusammenhängenden Stadtraum.

Fassaden, Materialien und Formen
Die Architektur ist durch keinen einheitlichen Fassadenstil geprägt. Die Gebäude wurden von verschiedenen Hamburger, deutschen und internationalen Architekturbüros entworfen. Dadurch stehen unterschiedliche Formen und Fassaden nebeneinander. Im städtebaulichen Konzept für den Süden wurden beispielsweise Backstein im inneren Bereich und hellere Fassaden an der Elbseite als gestalterische Kontraste vorgesehen.
Achte beim Rundgang auf die Übergänge zwischen den Gebäuden: auf den Wechsel von geschlossenen Fassaden und großen Glasflächen, auf unterschiedliche Gebäudekanten und darauf, wie sich die Häuser zu Straßen und Plätzen öffnen. Gerade diese Details machen die Architektur des Überseequartiers aus. Der Charakter entsteht vor allem aus dem Zusammenspiel der einzelnen Gebäude.

Markante Gebäude und architektonische Besonderheiten
Einige der Gebäude im Überseequartier stechen besonders hervor. Teils aufgrund von Größe und Prestige, teils aufgrund der Architektur oder aber aufgrund ihrer Geschichte und Historie. Natürlich gibt es noch mehr besondere Gebäude im Quartier. Meiner Meinung nach sind die markantesten aber:
Cinnamon Tower
Der Cinnamon Tower steht nahe dem Alten Hafenamt und fällt durch seine schlanke Form und die rotbraune Fassade auf. Das rund 65 Meter hohe Wohnhochhaus wurde von BOLLES+WILSON entworfen und 2015 fertiggestellt. Die unterschiedlich dunklen, eloxierten Aluminiumpaneele verändern ihre Wirkung je nach Lichteinfall. Als freistehender Turm bildet das Gebäude einen markanten Orientierungspunkt am Überseeboulevard.

Eleven Decks
Eleven Decks ist ein Wohn- und Geschäftshaus im südlichen Überseequartier, das sich mit seiner auffällig roten Fassade deutlich von den benachbarten Gebäuden abhebt. Der Entwurf stammt von Carsten Roth Architekt; die Ausführungsplanung übernahmen bds Architekten. Der bis zu elf Geschosse hohe Baukörper ist wie eine Treppe nach Süden abgestuft. Balkone und Loggien aus rotem Sichtbeton springen vor und zurück und geben der Fassade Tiefe. Die Farbe greift den roten Backstein der nahe gelegenen Speicherstadt auf, übersetzt ihn aber in eine moderne Betonarchitektur. Auf dem Dach und im Innenhof befinden sich begrünte Flächen. Das Gebäude umfasst 306 Wohnungen; die Wohnbereiche liegen oberhalb von Gewerbe- und Einzelhandelsflächen. Damit verbindet Eleven Decks Wohnen mit den öffentlichen und kommerziellen Nutzungen des Quartiers.

Westfield Hamburg-Überseequartier
Im Süden prägt das Westfield Hamburg-Überseequartier mit mehreren unterschiedlich gestalteten Gebäuden den Stadtraum. Der Komplex verbindet Einzelhandel und Gastronomie mit Hotels, Wohnungen, Büros, Kultur- und Freizeitangeboten sowie dem Kreuzfahrtterminal. Architektonisch auffällig ist das große Glas-Metalldach über den zentralen Einkaufsbereichen. Es schützt vor Wind und Regen und verbindet die verschiedenen Gebäudeteile, ohne den Eindruck eines geschlossenen Einzelgebäudes zu erzeugen. Das Westfield ist dabei der Einkaufs- und Freizeitkomplex innerhalb des größeren Überseequartiers.

Das Glasdach im südlichen Überseequartier
Ein markantes Bauteil im Süden ist das große Glasdach über einem Teil der zentralen Einkaufsbereiche. Der Entwurf stammt von Werner Sobek. Die Glas-Metall-Konstruktion schützt vor Regen und Wind und lässt zugleich den Straßenraum zwischen den Gebäuden offen. Sie gehört zum Bereich des Westfield Hamburg-Überseequartiers und ist ein gutes Beispiel dafür, wie Architektur und die Nutzung des öffentlichen Raums zusammen geplant wurden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Das Westfield ist der Einkaufs- und Freizeitkomplex innerhalb des Überseequartiers. Draußen liegen weiterhin Straßen, Plätze und Wege, über die du dich durch das größere Stadtquartier bewegst.
Sumatrakontor
Das Sumatrakontor am Überseeboulevard und nahe der Tokiostraße wurde vom Architekten Erick van Egeraat entworfen. Seine Fassade ist stellenweise geneigt und verbindet rötliche Sandsteinelemente mit helleren Aluminiumflächen und Glas. Die markante Gebäudeecke erinnert an einen Schiffsbug; große Glasflächen machen das Eingangsatrium von außen sichtbar. Mit Wohnungen, Büros und Nutzungen im Erdgeschoss steht das Gebäude beispielhaft für die Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Gewerbe im nördlichen Überseequartier.

Altes Hafenamt
Das Alte Hafenamt bildet einen historischen Gegenpol zu den neueren Gebäuden rundherum. Der denkmalgerecht umgebaute Bau steht in unmittelbarer Nähe zum Cinnamon Tower. Der Kontrast zwischen dem älteren Gebäude und dem rotbraunen, schlanken Wohnturm zeigt besonders deutlich, wie unterschiedliche Bauzeiten und architektonische Formen im Überseequartier auf engem Raum zusammentreffen.

Architektur am Wasser
Auch die Lage am Wasser prägt den Stadtraum. Im Süden öffnet sich das Quartier zum Chicagokai an der Elbe; im nördlichen Bereich liegen unter anderem der Magdeburger Hafen und das Störtebeker Ufer. Die Uferbereiche schaffen freie Sichtachsen zwischen Gebäuden und Wasser und geben dem Rundgang eine andere Perspektive als die engeren Straßen im Inneren des Quartiers. Die HafenCity selbst bezeichnet das Wasser und den Zugang zum oder auch die architektonische Verbindung mit dem Wasser als wichtigen Teil des gesamten Konzepts des Überseequartiers.

Insidertipp: Architektur beim Spaziergang vergleichen
Gehe bei deinem Rundgang durch den Norden und anschließend in den Süden des Überseequartiers. Achte zuerst auf die Gebäude rund um den Überseeboulevard und vergleiche sie danach mit den größeren Komplexen und dem Glasdach im Bereich des Westfield. Zum Abschluss lohnt sich ein Abstecher ans Wasser, etwa zum Chicagokai oder an den Magdeburger Hafen. So siehst du die Unterschiede zwischen den Gebäuden und ihren jeweiligen Stadträumen direkt hintereinander.
Häufige Fragen zur Architektur im Überseequartier
Das Überseequartier besteht aus vielen unterschiedlich gestalteten Gebäuden. Besonders auffällig sind die verschiedenen Fassaden, die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit sowie das große Glasdach im südlichen Bereich.
Der ursprüngliche städtebauliche Entwurf stammt von Trojan Trojan + Partner. Beth Galí und BB+GG arquitectes planten die Freiräume. Für das südliche Überseequartier übernahm HPP Architekten die übergeordnete Masterplanung; zahlreiche weitere Büros entwarfen die einzelnen Gebäude.
Nein. Das Westfield ist ein Einkaufs- und Freizeitkomplex im südlichen Teil des größeren Stadtquartiers. Zum Überseequartier gehören auch der nördliche Bereich sowie öffentliche Straßen, Plätze und Uferwege.

